Was war das bitte für ein Spektakel gestern Abend am Airpark? Über 800 Zuschauer verwandelten die Arena in den berüchtigten Hexenkessel und hatten erheblichen Anteil am großartigen Auftritt der Rhinos. Dabei war es alles andere als einfach, denn in der ersten halben Stunde wanderte ein Spieler nach dem anderen auf die Strafbank. Doch der Reihe nach.

Es waren gerade 26 Sekunden gespielt, als Jonathan Koch zu ungestüm Daniel Brendle an der Bande attackierte und damit für beide Akteure das Spiel frühzeitig beendet war. Koch erhielt zurecht eine Spieldauer, Brendle ließ seine Nase im Krankenhaus untersuchen. Gute Besserung an dieser Stelle an die #87 der Eisbären.

Fünf Minuten Powerplay kann ein Spiel schnell in ruhiges Fahrwasser leiten oder die verteidigende Mannschaft aufbauen. Tatsächlich hatten Häberle & Co auch zwei Mal Glück, dass der Pfosten an der richtigen Stelle stand. Ansonsten aber killten die Rhinos bravourös das Überzahlspiel, ohne zu ahnen, dass dies nicht das letzte Mal im Spiel so sein sollte. Bis zur 35. Spielminute wechselten praktisch beide Teams Über- und Unterzahl ab. War die eine Mannschaft komplett, agierte die andere mit einem Mann weniger. Oder mit zwei, wie es die Rhinos gleich sechs Mal verteidigen mussten. Zum ersten Mal nach knapp 13 gespielten Minuten, was auch dazu führen sollte, dass sich zum ersten Mal das Hallendach anhob. Die Eisbären gewannen das Bully vor Max Häberle, spielten den Puck hoch an die blaue Linie zu Stefano Rupp. Der hatte keine direkte Schussbahn, legte nach rechts zum Direktschuss ab, den Max Häberle am kurzen Pfosten wegnahm. Michi Kick war als Erster in der Ecke und klärte hoch über Rupp, der an der blauen Linie in Volleyballmarnier nur noch die Fingerspitzen an den Puck bekam und somit den Startschuss für das Sprintduell zwischen Andy Mauderer und Arno Metz gab, der sich noch streckte aber gegen den ältesten Spieler auf dem Eis keine Chance hatte. Auch Torwartgigant Andrew Hare hatte das Nachsehen, so dass Mauderer mit seinem ersten Ligator nach seinem Comeback Ende November die Hügelsheimer Führung erzielte. Doch damit nicht genug. Zwei Minuten nach der Führung befanden sich die Rhinos wieder in doppelter Unterzahl, doch dieses Mal trafen die Eisbären in Person von Winterneuzugang Aiden Wagner zum Ausgleich (16.). Als ausnahmsweise bei ausgeglichener Spielstärke gespielt wurde, war Simon Klemmer der Auslöser für den nächsten Ekstasemoment. Iven Rösch und Sascha Göth setzten den Stürmer in Szene, der Andrew Hare durch die Beine vernaschte. Mit 2:1 gingen die Teams in die erste Drittelpause.

Es war keineswegs ein unfaires Spiel, hart umkäpft ja, aber vielleicht war der Check in der ersten Minute dafür verantwortlich, dass die Schiedsrichter eine gegen beide Mannschaften kleinliche Linie konsequent durchzogen. Eine tolle Übungseinheit für die Specialteams, Herzinfarktrisiko für die Fans. Und wer glaubte, dass die Strafen im Mittelabschnitt weniger würden, sah sich im Irrtum. Bis zur 35. Minute wurde im Mitteldrittel lediglich 47 Sekunden lang 5 gegen 5 gespielt. Tore fielen dennoch keine, denn beide Penaltykillereinheiten machten ihren Job hervorragend. So hatte es bis Sekunden vor der zweiten Pause den Anschein, dass sich dieser hochspannende Mittelabschnitt torlos ins letzte Drittel verabschieden würde. Bis zum allerletzte Angriff über Graham Brulotte, der im Rückraum den sich anschleichenden Sascha Göth sah und herrlich bediente, damit dieser aus kurzer Distand "nur" noch einschieben musste. 3:1 - göth doch !

Geizte der Mittelabschnitt noch mit Toren, ging es im Schlussabschnitt Schlag auf Schlag. Die Rhinos befanden sich nach 100 Sekunden in Überzahl, die Kapitän Noel Johnson Höhe Bullypunkt per klasse Schuss ins linke Eck zum 4:1 nutzte (43.). Der Jubel war noch nicht verklungen, da hatte Aiden Wagner auf der anderen Seite einen Geistesblitz, legte sich hinter dem Tor den Puck auf das Schlägerblatt und diesen aus der Drehung über Häberle's Schulter zum 2:4 ins Netz (44.). Was für eine Dramatik, denn nun witterten die Eisbären ihre Chance und drückten darauf weiter zu verkürzen. In der 50. Minute hatten die Rhinos abermals Glück, als das Lattenkreuz für Häberle einsprang. Mitten in diese Drangphase zogen die Gäste aber eine Strafe. Björn Groß gewann das Bully, Maxim Engel spielte hoch zur blauen zu Graham Brulotte, der in die Mitte zog und per sattem Flachschuss zum 5:2 einschlenzte (56.). Die Anspannung die sich in der Arena in diesem Moment entlud war pure Energie und Vorfreude. Doch noch war der Sieg nicht unter Dach und Fach, denn vier einhalb Minuten waren ein lange Zeit und in diesem unvorhersehbaren Spiel sowieso. So kam es auch, denn nur zehn Sekunden nach dem 5:2 erhielten die Rhinos die nächste Strafe. Gästetrainer Pavol Jancovic setzte alles auf eine Karte, nahm Goalie Hare zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis um mit zwei Spielern mehr den dritten Treffer zu erzielen. Doch der Schuss ging nach hinten los, denn Graham Brulotte klärte aus dem eigenen Drittel und traf ins leere Tor zum wirklich entscheidenden 6:2 Endstand (57.).

Somit verdrängen die Rhinos die Eisbären vom dritten Platz und sind wieder auf Kurs. Doch bereits am Freitag steht in Stuttgart die nächste hohe Hürde an, wenn um 20 Uhr der Puck auf der Stuttgarter Waldau fällt.