Duelle zwischen den Baden Rhinos und den Eisbären Heilbronn sind bekanntlich ja ohnehin etwas Besonderes. Das Drehbuch des gestrigen Samstagabendkrimis war allerdings nichts für schwache Nerven und von den Darstellern auf dem Eis leidenschaftlich umgesetzt. Am Ende stand ein umkämpfter 7:5 Erfolg für den ESC Hügelsheim, doch die Zwischenergebnisse von 1:1, 2:2, 4:4 und 6:5 spiegeln deutlich, wie eng es 60 Minuten lang her ging. 

Über 800 Zuschauer, darunter eine lautstarke Delegation aus Heilbronn, wollten sich die zweite Auflage des "El Clasico" nicht entgehen lassen und sorgten für eine prächtige Stimmung im Hexenkessel am Baden Airpark. 

Die Mehrzahl hatte bereits in der 3. Minute Grund zum Jubeln. Daniel Brendle saß in der Kühlbox und musste tatenlos mit zusehen, wie Denis Friedberger von der blauen Linie abzog und Iven Rösch dem Puck den entscheidenden Impuls zum 1:0 über die Torlinie mitgab. Doch die Eisbären waren im Spiel und ein konsequent zu Ende gespielter Konter führte zum Ausgleich durch Stefano Rupp (8.). Die Rhinos schüttelten sich allerdings nur kurz und eine Zeigerumdrehung später stellte Sebastian Ott die Anzeige auf 2:1, nachdem Björn Groß Übersicht bewies und seinen nachrückenden Kollegen mustergültig bediente. Ab der elften Minute schwächten sich die Gastgeber unnötigerweise selbst und kassierten bis zum Drittelende fünf Strafzeiten. Das erste Powerplay nutzte Martin Williams zum Ausgleich (12.), wobei die Rhinos einen hohen Stock des Torschützen gesehen haben wollen. Nach kurzer Beratung der Schiedsrichter behielt der Treffer aber seine Gültigkeit. Dem guten Unterzahlspiel und Max Häberle war es zu verdanken, dass es bis zur Pause beim Remis blieb. 

Doch die Eisbären waren nun in Fahrt und gaben zu Beginn des Mitteldrittels erfolgreich den Ton an. Sven Breiter schoss seine Pelztiere in der 22. Minute erstmals in Führung. Es kam aber noch dicker, denn wenig später agierten die Gäste wieder in Überzahl und erzielten durch Daniel Steinke gar das 2:4. Dies setzte den Rhinos kurze Zeit zu und das Spiel stand einige Minuten lang auf der Kippe. Bis zur 30. Minute. Denn da lag der Puck nach einem Getümmel bei Keeper Vorlicek, Graham Brulotte setzte (zu) energisch nach und bekam es mit Heiko Vogler zu tun, während Neuzugang Martin Vachal den freigelegten Puck über die Linie drückte. Das Tor wurde nicht anerkannt, dafür die zwei Streitvögel mit Strafzeiten belegt. Die Aktion hatte dennoch einen Impuls losgelöst, denn nun waren die Rhinos wieder da. Und wie: Zwei Minuten später jubelte die Arena, als sich die erste Formation im Drittel der Gäste festspielte. Der Puck kam hoch an die blaue Linie und Denis Friedberger nutzte den Verkehr vor Vorlicek mit einem Schlenzer ins Glück. Fünf Minuten später konnte sich Sven Breiter nur durch ein Foul behelfen und bot den Rhinos dadurch eine weitere Überzahlmöglichkeit. Martin Vachal stand goldrichtig und nun zählte sein Treffer. Ausgleich! Doch damit nicht genug, denn mit seinem nächsten Wechsel traf der Tscheche erneut aus der gleichen Position zur Führung. Das Spiel war wieder gedreht und diesmal kam für die Eisbären die Sirene zur rechten Zeit. 

Der Schlussabschnitt versprach Spannung pur. Hin und her ging die rasante Partie und zunächst war Fortuna ein Nashorn. Der pfeilschnelle Graham Brulotte zündete den Turbo und lief über rechts allen davon auf den zuvor eingewechselten neuen Torwart Frantisek Gistr zu, dem der Kanadier mit dem 6:4 keine Chance ließ (45.). Die Eisbären mussten nun reagieren und öffneten immer weiter ihren Abwehrverbund. Mit Erfolg, Lukas Seeger verkürzte in der 53. Minute und läutete den Schlussspurt ein. Die Gäste suchten ihr Heil nun vollends in der Offensive, doch gegen leidenschaftliche Rhinos, die sich in die Schüsse warfen und selbst gefährliche Konter generierten, sollte es an diesem Abend kein Durchkommen mehr geben. Als letztes Mittel zog Heilbronn in der Schlussminute seinen Goalie zugunsten eines sechsten Feldspieler vom Eis. Doch auch dieser Versuch verpuffte und als Sebastian Ott Björn Groß schickte, legte dieser auf Graham Brulotte, der 19 Sekunden vor dem Ende mit einem leeren Tor keine Mühe hatte und den 7:5 Endstand besorgte.