Hätte man Peter Seywald vor dem Wochenende gesagt, dass seine Rhinos fünf der sechs möglichen Punkte einfahren, "ich hätte sofort unterschrieben". Der Chef war am Samstagabend nach dem grandiosen Eishockeyabend überglücklich, sah er doch 27 Stunden zuvor noch einen durchwachsenen Auftritt der Rhinos beim Tabellenletzten in Freiburg.

Dort tastete man sich fünf Minuten lang ab, zu vorsichtig aus Hügelsheimer Sicht, denn gegen drei Mann in der Rückwärtsbewegung hatte Jakob Rütschle keine Mühe im Slot die Freiburger Führung zu markieren. So richtig in Fahrt kamen die Rhinos nicht, Freiburg machte den Gästen das Leben schwer und diese wussten nicht so recht was zu tun ist. Erst eine zündende Idee von Andy Mauderer brachte durch Cedrick Duhamel den späten Ausgleich ein (18.). Danach drängten die Rhinos darauf nachzulegen, doch die Pause kam zum ungüntigen Zeitpunkt.

Aus dieser kamen die 09er etwas kampfesgewillter. Christian Böcherer nahm von Maxim Engel die Scheibe auf und arbeitete sich vor das Tor, von wo er mit der Rückhand die erste Führung erzielte (26.). In der Folge taten die Wölfe viel dafür, das Spiel vollends aus der Hand zu geben, doch drei Strafen in Folge gegen die Gastgeber ermöglichten nicht wirklich Torgefahr für die Rhinos, sondern vielmehr Unterzahlkonter der Gastgeber. Einer dieser führte zu einem Foul mit anschließendem Penaltyschuss, den Tobias Bräuner allerdings gegen den Schoner von Max Häberle setzte. Wenig später sollte der Ex-Profi dann doch erfolgreich sein und erzielte in der 35. Minute den verdienten Ausgleich. Im letzten Drittel hatten die Rhinos zwar -wie das gesamte Spiel über- mehr Torschüsse zu verzeichnen, aber die gefährlicheren wurden von den Wölfen abgegeben. Tore fielen indes keine mehr, das Remis und den ersten Saisonpunkt nach 60 Minuten hatten sich die Hausherren verdient. Im Penaltyschießen drohte gar die Niederlage. Duhamel und Johnson vergaben, Anton Bauer auf Seiten der Wölfe hatte getroffen. Graham Brulotte musste den letzten Schuss verwandeln um die Verlängerung zu erzwingen. Und er traf. Nun kam es zum Duell zwischen Bauer und Brulotte, denn nach den ersten drei Schützen kann ein Spieler mehrfach schießen. Brulotte traf für die Rhinos, Bauer zog für seine Wölfe gleich. Brulotte trat erneut an und traf für den ESC, Bauer machte es ihm für den EHC gleich. Brulotte war wieder erfolgreich und Bauer scheiterte an Häberle, was den Zusatzpunkt für die Rhinos bedeutete.

Tags darauf kam es zum ganz anderen Duell am Baden Airpark. Zu Gast war der bis dato ungeschlagene Tabellenführer aus Ravensburg. Die über 700 Zuschauer sollten mit einem hochklassigen Eishockeyspiel belohnt werden.

Von Beginn an setzten die Rhinos die taktische Ausrichtung gegen die schnellen TowerStars konsequent um. Die Gäste taten sich gegen gut sortierte Rhinos schwer, welche ihrerseits mit schnellem Umschaltspiel zu guten Chancen -aber noch nicht an David Heckenberger vorbei- kamen. Trotz Torschussüberlegenheit stand es nach dem ersten Drittel torlos remis. Dies sollte sich ab dem zweiten Durchgang ändern. Tim Brenner schnappte sich das Spielgerät und setzte sich über die rechte Seite durch, wo er Höhe der Bullykreise die Scheibe nach links zum mitgelaufenen Graham Brulotte passte, der mit einem satten Schuss die Hügelsheimer Führung erzielte (26.). Genau drei Minuten später jubelten aber schon die Gäste. Louis Delsor gelang von der blauen Linie ein Sonntagsschuss in den rechten Winkel und ließ Max Häberle keine Chance. Die Gäste waren nun besser im Spiel und es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, auch dadurch bedingt, dass die Rhinos etwas von der taktischen Linie abwichen. Dennoch waren sie als nächstes erfolgreich. Marvin Kammerdiener erzielte in der 38. Minute die erneute Führung und hatte dabei das Glück des Tüchtigen, dass sich Heckenberger "das Ei" mit dem Schoner selbst ins Nest legte. Sekunden nach dem Treffer wurde Gästespieler Lubos Sekula für zwei Minuten auf die Strafbank beordert, doch das Überzahlspiel brachte bis zur Sirene nichts Zählbares mehr ein.

Im Schlussabschnitt begannen die Hausherren in der restlichen Überzahlzeit von 36 Sekunden und just in dem Moment, als die Strafbanktür für Sekula auf ging, setzte Dennis Walther den Puck zum 3:1 unter die Latte.

Die Rhinos fanden nun bestärkt durch die Führung im Rücken zurück zum System und hielten die Gäste weitestgehend vom eigenen Tor fern. Wenn doch ein Schuss durchging, stand Max Häberle seinen Mann. Dies erkannte auch Gästetrainer Martin Masak und ging in der 54. Minute volles Risiko. Kammerdiener musste auf die Strafbank und Ravensburg agierte mit einem sechsten Feldspieler zugunsten des Torhüters. Die Maßnahme hatte Erfolg. Genau nach einer Minute im Powerplay erzielte Bernhard Leiprecht mit einem verdeckten Schuss von der blauen Linie den Anschlusstreffer. Ravensburg witterte nun Morgenluft doch zum ungünstigsten Zeitpunkt schwächte Sekula sein Team mit einem Foul: Überzahl für die Rhinos. Verbleibende Spielzeit: 04:42.

Doch Ravensburg wehrte sich mit agressivem Einsatz und verhinderte den geordneten Spielaufbau der Rhinos. Undurchsichtig war die folgende Szene. Nach einem Zweikampf an der Bande blieb Noel Johnson auf dem Eis liegen, der Puck spielte Flipper und kam zurück zu Johnson, der benommen noch mit dem Pfiff zu rechnen schien. Dieser blieb aber aus, Philipp Heckenberger nahm die Scheibe an sich und bereitete dadurch den kuriosen Ausgleich von Simon Heckenberger vor (56:05). Erinnerungen vom Bietigheim-Heimspiel wurden wach, doch heute sollte es anders kommen.

Denn noch immer befanden sich die Rhinos für 68 Sekunden in Überzahl. Dieses Mal gelang der Aufbau und die Nashörner setzten sich im gegnerischen Drittel fest. Und wieder war die Strafe gerade abgelaufen, als Tim Brenner von der blauen Linie abzog und Kapitän Christian Böcherer seinen Schläger im richtigen Moment in die Schussbahn hielt und den Puck zum 4:3 abfälschte. Die Halle stand nun vollends Kopf und trieben die Rhinos für die verbleibenden zweieinhalb Minuten an. Es sollte bis zum Ende spannend bleiben, denn 45 Sekunden vor dem Schlusspfiff erhielt Brenner eine Strafzeit und Masak's Spiel ging -zu dieser fortgeschrittenen Spielzeit selbstverständlich- von vorne los. Torhüter raus, sechster Feldspieler auf's Eis.

Die Abwehr stand und doch hatte Katjuschenko elf Sekunden vor dem Ende die Riesenchance auf den Ausgleich, die Max Häberle aber mit einer sensationellen Fußabwehr vereitelte. Dabei blieb es dann auch, die Rhinos erkämpfen sich in einem atemberaubenden Eishockeyspiel drei Punkte und setzen ihre Heimserie gegen Ravensburg weiter fort.